Wenn die Drohnen wieder jagen…

aircraft-161415_1280Gedanken, während die Führer wieder nach Krieg verlangen

Wenn die Drohnen wieder jagen..

Ein Marktplatz. Im Jemen, im Irak, in Pakistan, vielleicht aber auch in Afghanistan oder demnächst in Syrien.
Computerprogramme haben in einer Matrix aus Personendaten eine bestimmte Person ausgespuckt, welche ihr Ende durch Hellfire-Raketen finden soll. Vorher haben Menschen ermittelt, und zwar gezielt im Verdachtsfall, erst dann landete der Name der Person auf der Kill-Liste – dies war umständlich und dauerte den Geheimdiensten und Commandos einfach zu lange. Auf der Liste für gezielte Tötungen stehen nun Tausende, vielleicht zehntausende von Menschen, vielleicht mittlerweile noch mehr. Sie werden nicht mehr durch Verdacht ermittelt, sondern durch Profile. Muster. Teils durch jene Daten, welche auch von uns durch soziale Netzwerke und Handys als „Vorratsdaten“ hinterlegt wurden.

Kennt der jemanden, der jemanden kennt, der jemanden gekannt haben könnte? Liste. Ist er männlich und/oder in wehrfähigem Alter? Liste. Hat er Kontakte zu einem Imam (Prediger des Islam)? Liste. Ach, er steht schon auf der Liste? Na dann, 2 Raketen. FEUER!

Es kracht, zwei Mal. Überlebende versuchen panisch, den Marktplatz zu verlassen und in die Gassen zu fliehen. Kinder laufen kreuz und quer über den Marktplatz und versuchen, Mom oder Dad aufzuspüren, sie wissen nicht, wohin sie sonst rennen sollten. Andere stehen unter Schock, finden keine klare Gedanken mehr.
Zwei rauchende Krater und Blut, da wo kurz zuvor ganze Menschentrauben standen, feilschten, erzählten und ihren Alltag lebten. Körperteile sind davon übrig. Zerrissen. Verbrannt. Wen traf es? Wo sind die Eltern der Kinder, die dort noch immer suchen?
Den Kindern wird bald klar: Ihre Eltern hätten „sie“ längst gefunden, wenn sie nicht..

Diese Uhr am völlig verbrannten Körper in der Ecke des Marktplatzes – Sie gehört dem Vater, er hatte sie vom Großvater.
Die Mutter? Man hat viele Leichen gefunden, doch man erkennt sie nicht mehr.

Man sucht Gliedmaßen zusammen und wird sie gemeinsam mit den Resten der Körper noch am gleichen Abend beerdigen. Dies ist Tradition geworden in diesen Ländern, denn leider geschah so etwas immer und immer wieder während den letzten Jahren. Darum finden sich nun wieder Menschentrauben um die Krater herum zusammen. FEUER. Eine dritte Hellfire-Rakete trifft mitten hinein, da irgendjemand in den USA Angehörige der „Zielperson“ in der Menge vermutet. Oder gar die Zielperson selbst, falls diese noch nicht unter den Leichen weilte. Es kommt vor, dass die westlichen Bürger alle paar Wochen oder Monate vom Tod der gleichen Zielperson erfahren. Sie haben offenbar mehr Leben als normale Bevölkerung.

Am Abend finden sich überlebende Angehörige auf der Beerdigung am Hügel hinter dem Dorf ein. Die Familien haben viele Mitglieder, doch mehrere davon werden heute zu Grabe getragen. Die dritte Hellfire-Rakete tötete 7 der Kinder, welche nach den vorangegangenen Angriffen auf dem Marktplatz zwischen den Kratern die Bestätigung und Klarheit dafür suchten, dass sie ihre Eltern nicht mehr wiedersehen werden.
FEUER. Weil die „Zielperson“ religiös ist – sie wird sicherlich die Toten ehren.

Im Fernsehen erfährt der Westen von diesen Ereignissen:
„Ein Ausbildungslager der Terroristen wurde von der einheimischen Armee (Hauptsache ohne USA) angegriffen.
Der in den Reihen der Terroristen als regionaler Anführer gewertete „XYZ“ („Max Mustermann“ auf arabisch eben) wurde bei diesem Angriff getötet (zum ungefähr zwölften Mal). Etwa 150 Kombattanten (um „Zivilisten“ zu vermeiden), welche der Terrororganisation angehörten (also im gleichen Land geboren wurden oder die gleiche Hautfarbe haben), wurden ebenfalls ausgeschaltet. Von zivilen Verlusten ist nichts bekannt.
Dies ist ein weiterer Fortschritt im Kampf gegen den Terrorismus.“

Wir sind natürlich die Guten. In diesem Gefühl sollen wir möglichst gehalten werden, ehe wir uns womöglich erbittert wehren könnten, wenn der nächste Krieg ansteht.

Krieg schürt Hass. Immer. Jeder Krieg, egal wo, egal gegen wen.
Es gibt schlicht keine Ausnahme.
Die letzten westlichen Einmärsche in angeblichen „Terrorländern“ forderten unfassbar viele Leben in der Bevölkerung.
Mütter und Töchter, Söhne und Väter, Alt und Jung.
Viele davon werden gefoltert, verbrannt, verschüttet, erschossen oder auch in hoher Zahl von Hellfire-Raketen getötet, der tödlichen Fracht der Predator-Drohnen, welche von Bildschirmen und Joysticks in den USA gesteuert werden, ermöglicht einzig und allein durch die Koordination über US-Militärbasen auf deutschem Boden, für welche übrigens der Steuerzahler aufkommt. Es könnte demnach sein, dass es für uns etwas noch Übleres zu blechen gibt als die gemeinhin unbeliebte Rundfunkgebühr.
Wir unterstützen Tod, Hunger und Elend in fernen Ländern. Wir sorgen dafür, dass nichts als Trümmer und verbrannte, teils durch Uranmunition verstrahlte Erde zurückbleibt. Dadurch sterben übrigens enorm viele Säuglinge, wenn sie überhaupt lebend geboren werden. Gelegentlich haben sie bis zu 4 Krebsarten bei Geburt, weiterhin fehlen Gliedmaßen. Arme, Beine, Finger, Augenlider… Die Bilder aus einer irakischen Säuglingsstation eines Krankenhauses mögen zuerst wirken, als seien es Szenen aus billigen Horrorfilmen – doch es sind Bilder des tatsächlichen Horrors, den wir erschaffen haben. Durch den Krieg als solchen oder durch das Schweigen, wenn „sie“ wieder einen neuen Krieg führen wollen.
Uranmunition – sie sollte eigentlich einmal per Abstimmung verboten werden, leider legten 4 Großmächte ihr Veto ein.
USA, Frankreich, Großbritannien und Israel beharrten auf die Fortführung dieser Schande. Also im Prinzip genau Jene, welche die ersten sind, die damit gerne für neuen Tod sorgen – macht Sinn.

Für jene, die noch mehr Details darüber möchten, was westliche „Politik“ im Orient anrichtet: Michael Lüders‘ Buch „Wer den Wind sät“. Äußerst lesenswert, für jeden verständlich, kompakt und zugleich eine hervorragende Argumentationsgrundlage, wenn ihr anderen Menschen beibringen möchtet, weshalb der Krieg keinen Terror bekämpfen kann – und weshalb gar das exakte Gegenteil der Fall ist. Ebenfalls sehr bewegend: Jürgen Todenhöfer, sein Buch „Du sollst nicht töten“. Für das Thema „Söldnerarmeen“ und Spezialtruppen, die auch ohne offensichtlichen Krieg für Tote und Folter in fernen Ländern sorgen: Jeremy Scahill mit „Schmutzige Kriege“ (Dirty Wars). Dort geht es unter anderem um die Ermittlungen eines investigativen Jornalisten, der dem Joint Special Operations Command (JSOC) und deren Schandtaten auf die Schliche kommt. Dieses Kommando unterliegt keiner Prüfung durch den US-Kongress und ist allein dem Präsidenten verpflichtet. Nicht einmal die CIA hat vollen Zugriff.
Weiterhin: Die Bücher von Dr. Daniele Ganser. Nato-Geheimarmeen (Gladio), Spezialeinheiten (Blackwater), False Flag-Aktionen, Regime Changes (z.B. Kubakrise), Krieg um Ressourcen, vor allem um Öl – Sehr umfassend!

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